Euro-Krise: Wer ist schuld?

Ja, die Griechen sind schuld, nicht wahr?
Irgendwie haben Erinnerungen die Eigenschaft zu verblassen. Gab es für die Währungsunion anfangs nicht einen Stabilitätspakt? Und waren es nicht Frankreich und Deutschland, die den Stabilitätspakt zuerst verletzten und durch entsprechende Gesetzesänderungen aufweichten, mit der Folge, dass die Kontrollmechanismen immer schlampiger wurden und schwerwiegende Defizite viel zu spät erkannt wurden?
Und waren es nicht Finanzprodukte wie diese seltsamen Derivate, die angefangen mit Lehman’s 2008 die ganze Welt in die Krise stürzten? Und sind es nicht eine Art Derivate, die den Rettungsschirm von einigen Hundert Milliarde auf ein Billion hebeln? Wird hier nicht der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?
Ist nicht der Euro die einzige Währung weltweit, die ohne einheitliche Wirtschaftspolitik gesteurt wird? Wäre nicht die Systematik Politische Union > Wirtschaftspolitische Union > Währungsunion auf Basis einer gemeinsamen Verfassung sinnvoll gewesen?
Ich kenn‘ mich da nicht so gut aus; ich bin weder Wirtschaftswissenschaftler, noch Verfassungsrechtler und überhaupt ein leidlich schlechter Politiker.
Und waren wir Bürger, die Zahler der ersten und der jetzt sich andeutenden Krise, die Opfer und Leidtragenden quasi, nicht ganz geil auf die neuen Gewinnchancen, die sich ab den 80ern im Investmentbereich auftaten? Ich weiß noch, wie ich mit meinen vermögenswirksamen Leistungen in 7 Jahren erstmals 13000 Mark erzielte. Wir glaubten tatsächlich, die Steigerungen würden immer weiter gehen, der Dax nach 8000 in Richtung 9000 marschieren?
Sind die Griechen wirklich an allem Schuld? Oder sind sie und die Italiener und Portugiesen und Spanier nur die letzten Glieder in der Kette?

2 Gedanken zu “Euro-Krise: Wer ist schuld?

  1. Wex Stallion schreibt:


    Wäre nicht die Systematik Politische Union > Wirtschaftspolitische Union > Währungsunion auf Basis einer gemeinsamen Verfassung sinnvoll gewesen?

    Sagen wir so, wir Deutschen wussten ja, dass sowas auch nicht zwingend zum Erfolg führt. Denken Sie mal ca. 21 Jahre zurück an die Währungsunion mit den neuen Bundesländern und die ersten zwei, drei Jahre danach.

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    • reinhard_hartl schreibt:

      Nun gut, Deutschland ist natürlich de facto auch pleite, nicht ganz so pleite wie andere Länder, aber pleite. Mehr als eine Billion Euro Schulden bedeutet für mich, pleite zu sein. Und trotzdem stehen wir so gut da, dass wir immer noch weitere Kredite aufnehmen können. Immerhin konnten wir die neue Einheit politisch steuern und mit einem Provisiorium wie den Soli einigermaßen finanzieren; leider erweist sich dieser als Dauerbrenner, aber dazu später mehr.

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